28. Juli 2026

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Biologisch abbaubar: eine kluge Wahl oder eine Notwendigkeit?

Ein einziger undichter Hydraulikschlauch kann Reinigungskosten in Höhe von Tausenden von Euro verursachen. Dennoch wählen viele Unternehmen Schmierstoffe nach wie vor ausschließlich auf Grundlage des Kaufpreises aus. Sind biologisch abbaubare Schmierstoffe in erster Linie eine umweltbewusste Wahl oder bieten sie auch technische Vorteile?
Auf einen Blick
  • Biologisch abbaubare Schmierstoffe reduzieren Umweltrisiken.
  • Moderne Ester bieten eine Leistung, die mit Mineralöl vergleichbar oder sogar besser ist.
  • Ideal für Wasserbau, Forstwirtschaft, Offshore Anwendungen und Erdbewegung.
  • Die Kosten eines einzigen Lecks übersteigen häufig die zusätzlichen Schmierstoffkosten vieler Jahre.

Biologisch abbaubare Schmierstoffe werden häufig mit Nachhaltigkeit und Umweltgesetzgebung in Verbindung gebracht. Das ist zwar richtig, erzählt aber längst nicht mehr die ganze Geschichte. Dank der Entwicklungen bei modernen Grundölen und in der Additivtechnologie haben sich biologisch abbaubare Schmierstoffe zu technisch fortschrittlichen Alternativen zu konventionellen Produkten entwickelt. Für viele Unternehmen geht es bei der Entscheidung daher nicht mehr nur um den Schutz der Umwelt, sondern auch um Zuverlässigkeit, Risikomanagement und Geschäftskontinuität.

Wann ist ein Schmierstoff wirklich biologisch abbaubar?

Ein biologisch abbaubarer Schmierstoff wird von Mikroorganismen in natürliche Bestandteile wie Wasser, Kohlendioxid und Biomasse zerlegt. In der Praxis besteht jedoch häufig Unklarheit darüber, was der Begriff tatsächlich bedeutet.

Biologische Abbaubarkeit ist keine absolute Eigenschaft. Die Geschwindigkeit, mit der ein Schmierstoff abgebaut wird, hängt von Faktoren wie Temperatur, Feuchtigkeit, dem Vorhandensein von Sauerstoff und der Anzahl der Mikroorganismen in der Umgebung ab. Ein Produkt, das unter Laborbedingungen schnell abgebaut wird, kann sich in der Praxis anders verhalten. Daher werden international standardisierte Prüfverfahren eingesetzt, um Produkte unter vergleichbaren Bedingungen zu beurteilen.

Eines der bekanntesten Prüfverfahren ist OECD 301B. Dieser Test misst, in welchem Umfang ein Produkt innerhalb von 28 Tagen biologisch abgebaut wird. Ein Schmierstoff gilt als leicht biologisch abbaubar, wenn innerhalb dieses Zeitraums mehr als 60 % des Produkts abgebaut werden.

Der Begriff biologisch abbaubar wird außerdem regelmäßig mit biobasiert verwechselt. Obwohl beide Begriffe mit Nachhaltigkeit zusammenhängen, bedeuten sie nicht dasselbe. Ein biobasierter Schmierstoff wird vollständig oder teilweise aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt, ist aber nicht automatisch biologisch abbaubar. Umgekehrt kann ein biologisch abbaubarer Schmierstoff auch Rohstoffe enthalten, die nicht aus pflanzlichen Quellen stammen.

Diese Unterscheidung ist für Fachleute wichtig, die in oder in der Nähe von umweltsensiblen Gebieten arbeiten. Auftraggeber und Genehmigungsbehörden bewerten zunehmend die tatsächliche Umweltleistung eines Schmierstoffs. Ein Produkt, das als nachhaltig vermarktet wird, erfüllt daher nicht automatisch jede geltende Anforderung.

Warum stellen immer mehr Unternehmen um?

Der Einsatz biologisch abbaubarer Schmierstoffe nimmt weltweit zu. Gesetze und Vorschriften spielen dabei eine wichtige Rolle, doch ebenso bedeutend ist die Notwendigkeit für Unternehmen, ihre Risiken effektiver zu steuern.

Arbeiten in Naturschutzgebieten, entlang von Wasserwegen, in Grundwasserschutzgebieten oder an Offshore Standorten werden zunehmend unter strengen Umweltauflagen durchgeführt. Auch an die Materialien und Hilfsprodukte, die bei Infrastrukturprojekten und öffentlichen Aufträgen eingesetzt werden, werden höhere Anforderungen gestellt.

Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass kein Hydrauliksystem, keine Schmierstelle und kein Antriebsstrang vollständig leckagefrei ist. Die Frage ist daher nicht, ob es zu einem Produktverlust kommt, sondern welche Folgen dieser hat, wenn er eintritt.

Wenn ein konventioneller Schmierstoff in den Boden oder in Oberflächengewässer gelangt, kann er lange Zeit in der Umwelt verbleiben. Biologisch abbaubare Schmierstoffe werden durch natürliche Prozesse erheblich schneller abgebaut. Obwohl jedes Leck unerwünscht bleibt, können die Auswirkungen auf die Umwelt deutlich reduziert werden. Genau deshalb werden biologisch abbaubare Schmierstoffe zunehmend in die Risikomanagementstrategien von Unternehmen aufgenommen.

Ein kleines Leck kann große Folgen haben

Wenn eine Maschine aufgrund eines defekten Hydraulikschlauchs oder einer beschädigten Dichtung ausfällt, liegt der unmittelbare Fokus häufig auf der Reparatur. In der Praxis können die indirekten Kosten jedoch erheblich höher sein als der technische Schaden selbst.

Wenn Öl in Oberflächengewässer, ein Naturschutzgebiet oder eine andere sensible Umgebung gelangt, können die Reinigungs und Sanierungskosten schnell steigen. Stillstand von Geräten, Projektverzögerungen, Untersuchungskosten und mögliche Forderungen von Auftraggebern können ebenfalls erhebliche zusätzliche Kosten verursachen.

Für Unternehmen, die in den Bereichen Erdbewegung, Wasserwirtschaft oder Offshore tätig sind, ist es daher sinnvoll, nicht nur den Kaufpreis eines Schmierstoffs zu berücksichtigen, sondern auch die möglichen Folgen eines Vorfalls. Schließlich werden die tatsächlichen Kosten eines Lecks in der Regel durch dessen Auswirkungen bestimmt und nicht durch den Wert des verlorenen Schmierstoffs.

Die Sanierungskosten bei einer geringfügigen Verunreinigung beginnen bei etwa 2.000 € und übersteigen damit fast unmittelbar die Mehrkosten für den Einsatz eines biologisch abbaubaren Schmierstoffs. Gelangt die Verunreinigung ins Grundwasser, können die Sanierungskosten auf Zehntausende von Euro steigen.

Die Technologie hat große Fortschritte gemacht

Viele Jahre lang hatten biologisch abbaubare Schmierstoffe einen weniger guten Ruf. Ältere Produkte, die hauptsächlich auf Pflanzenölen basierten, waren besonders anfällig für Oxidation und Hydrolyse. Dadurch konnten die Ölwechselintervalle kürzer ausfallen und die Leistung unter anspruchsvollen Betriebsbedingungen nachlassen.

Die Entwicklung moderner Estertechnologie hat diese Wahrnehmung grundlegend verändert. Ester bieten von Natur aus hervorragende Schmiereigenschaften in Kombination mit einer hohen biologischen Abbaubarkeit. Außerdem sind sie von Natur aus polar, wodurch sie stark an Metalloberflächen haften und einen stabilen Schmierfilm bilden können.

Viele der Einschränkungen, die mit früheren Produktgenerationen verbunden waren, wurden daher überwunden. Moderne biologisch abbaubare Schmierstoffe mit Eurol SYNGIS Technology behalten ihre Viskosität über einen breiten Temperaturbereich bei, bieten hervorragenden Verschleißschutz und halten hohen Belastungen stand. In vielen Anwendungen ist ihre Leistung heute mit der hochwertiger konventioneller Schmierstoffe vergleichbar oder sogar besser.

Die Diskussion verändert sich daher allmählich. Während früher die Umweltvorteile im Mittelpunkt standen, spielt heute auch der technische Mehrwert biologisch abbaubarer Schmierstoffe eine wichtige Rolle im Auswahlprozess.

Die praktische Fallstudie zur Schmierung und zum Korrosionsschutz einer Tunnelbohrmaschine zeigt, dass ein biologisch abbaubarer Schmierstoff selbst unter extremsten Betriebsbedingungen leistungsfähig sein kann.

Die Vorteile biologisch abbaubarer Schmierstoffe zeigen sich besonders deutlich an Orten, an denen ein Leck die unmittelbare Umgebung direkt beeinträchtigen könnte.

Dies gilt beispielsweise für Bagger, die entlang von Wasserwegen, Deichen und Naturschutzgebieten arbeiten. Biologisch abbaubare Schmierstoffe werden auch im Bereich der Wasserwirtschaft zunehmend in den Hydrauliksystemen von Brücken, Schleusen, Pumpstationen und Wehren eingesetzt.

Im Offshore Bereich sind biologisch abbaubare Schmierstoffe an vielen Standorten bereits zu einem festen Bestandteil der Wartungsrichtlinien geworden. Auch in der Forstwirtschaft nimmt ihr Einsatz zu, wo Maschinen täglich in Gebieten arbeiten, in denen der Schutz von Boden und Natur eine wichtige Rolle spielt.

Offene Schmierstellen: weniger Vorbereitung, geringeres Risiko

Bei der Schmierung offener Stellen wie Scharnieren, Kabeln, Ketten und Lagern wird häufig viel Wert darauf gelegt, Verschütten zu vermeiden. Dies erfordert zusätzliche Vorbereitungen, insbesondere bei Arbeiten in der Nähe von Wasser oder in Naturschutzgebieten.

Für diese Arten von Anwendungen sind inzwischen biologisch abbaubare Schmierstoffe in Sprayform erhältlich. Ein Beispiel dafür ist Eurol Lube PL BIO Spray. Durch die gezielte Anwendung kann das Produkt präzise aufgetragen werden, wodurch das Risiko von Produktverlusten reduziert wird. Dies vereinfacht Wartungsarbeiten und begrenzt gleichzeitig die möglichen Auswirkungen eines Schmierstoffaustritts.

Könnte eine Umstellung für Ihr Unternehmen von Vorteil sein?

Nicht jede Anwendung erfordert einen biologisch abbaubaren Schmierstoff. Dennoch kann es sich lohnen, die Möglichkeiten zu untersuchen, wenn Maschinen regelmäßig in umweltsensiblen Gebieten eingesetzt werden oder wenn Auftraggeber spezifische Umweltanforderungen stellen.

Auch Unternehmen, die aktiv an Zertifizierung, Nachhaltigkeit oder Risikomanagement arbeiten, integrieren diese Produkte zunehmend in ihre Schmierstoffrichtlinien. Vor einer Umstellung ist es wichtig, Materialverträglichkeit, Systemreinigung und Wartungsintervalle zu berücksichtigen.

Fazit

Biologisch abbaubare Schmierstoffe sind keine Nischenprodukte mehr. Dank moderner Estertechnologie und fortschrittlicher Additivtechnologie bieten sie nicht nur erhebliche Umweltvorteile, sondern auch eine hervorragende technische Leistung.

Für eine wachsende Zahl von Unternehmen ist die Entscheidung daher keine Wahl mehr zwischen Nachhaltigkeit und Leistung. Biologisch abbaubare Schmierstoffe bieten eine vollwertige Alternative, die dazu beiträgt, Risiken zu reduzieren, Stillstand zu vermeiden und die Zuverlässigkeit von Maschinen und Anlagen zu verbessern.

Die Frage lautet heute daher nicht mehr, ob biologisch abbaubare Schmierstoffe technisch geeignet sind, sondern in welchen Anwendungen sie die logischste Wahl darstellen.

Möchten Sie wissen, ob ein biologisch abbaubarer Schmierstoff für Ihre Maschinen oder Anlagen geeignet ist? Kontaktieren Sie Ihren Eurol Account Manager. Gemeinsam bestimmen wir, welche Lösung am besten zu Ihrer Anwendung, Ihren Betriebsbedingungen und Ihren Nachhaltigkeitszielen passt.

Autor: John Klein Elhorst – Senior Technical Advisor